Neubau AKW Bohunice III: UVP-Hearing 18.11.2015 Wien

Die Slowakische Republik plant die Errichtung eines weiteren AKWs in Jaslovské Bohunice. Das AKW soll eine elektrische Leistung von bis zu 1700 MW haben und 60 Jahre lang in Betrieb sein. Der Standort liegt im Westen des Landes in direkter Nachbarschaft zu Österreich (Entfernung zum Weinviertel: 54 km). Am Standort sind derzeit zwei Reaktoren in Betrieb (Bohunice V2), drei weitere Reaktoren sind bereits abgeschaltet und befinden sich im Abbau (Bohunice V1, weiters A1, der 1977 einen schweren Störfall hatte).

Für den geplanten Neubau wird derzeit eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, an der auch Österreich teilnimmt. Bis zum 21.10.2015 war es möglich, Stellungnahmen abzugeben. Am 18.11.2015 findet ein öffentliches Hearing in Wien statt, bei dem die Möglichkeit besteht, Fragen an die slowakische Delegation zu stellen und Antworten einzufordern.
Die pulswerk GmbH (Beratungsunternehmen des Österreichischen Ökologie-Instituts) hat für acht österreichische Bundesländer gemeinsam mit Oda Becker und cervus nuclear consulting eine Fachstellungnahme erarbeitet, die hier abrufbar ist.

Die wichtigsten Punkte lauten:

  • Bereits durch einen Auslegungsstörfall kann es zu einer Kontamination des Weinviertels kommen, die landwirtschaftliche Interventionsmaßnahmen nötig macht.
  • Die Berechnungen für einen schweren, auslegungsüberschreitenden Unfall basieren auf zu geringen angenommenen Freisetzungen.
  • Laut UVP-Gesetz müssen Alternativen und eine Nullvariante diskutiert werden, dies wurde weder für den Reaktortyp noch für den Standort, aber auch nicht für alternative Wege zur Energieerzeugung vorgelegt.
  • Bohunice liegt in der erdbebengefährdeten Region am Rande des Wiener Beckens. Es liegen neue Erkenntnisse zur möglichen Erdbebenstärke vor, die jedoch noch nicht aufgegriffen wurden.
  • Ungeklärt ist noch, in wie weit das geplante AKW gegen Terrorangriffe geschützt werden kann, z.B. durch Cyberattacken.
  • Bei den in Betracht gezogenen Reaktortypen sind im Zuge von Referenzprojekten bzw. Lizenzierungsverfahren bereits einige Probleme aufgetreten. Im UVP-Bericht wird nicht dargestellt, ob und wie dies bei der Auswahl des Reaktors Berücksichtigung finden wird.
  • Die anfallenden abgebrannten Brennelemente haben noch keinen Platz in einem Zwischenlager, sie wurden auch noch nicht in das Nationale Entsorgungsprogramm aufgenommen. Somit gibt es derzeit keinen Entsorgungsnachweis.
  • Die angegebenen Kosten für den Neubau sind nicht realistisch – so soll das vergleichbare AKW Hinkley Point/UK ca 3,5 mal so viel kosten.

Öffentliches Hearing im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung:
Das Hearing zu Bohunice III findet am Mittwoch, 18. Nov. 2015, ab 15:30h im Albert Schweitzer Haus, Garnisongasse 14-16/Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien, statt. Um Anmeldung unter Tel. 02742/9005-14895 oder per E-Mail unter post.bd4@noel.gv.at wird ersucht.

Offiziell vorhandene Unterlagen zur UVP

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