
Foto: Österreichisches Ökologie-Institut
Fahrradexkursion zu ausgewählten Projekten in den Niederlanden
Anlässlich seines 40-jährigen Geburtstags lud das Österreichische Ökologie-Institut zusammen mit der Stiftung Biotope City zu einer zweitägigen Exkursion nach Amsterdam und Eindhoven ein. Ziel waren Projekte, die naturbasierte Lösungen für die Integration von Biodiversität und sozialen Aspekte anbieten.
Zusammen mit Stadtökologin Els Corporal (Stadt Amsterdam) und Architekt Harrie van Helmond (Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Stiftung Biotope City) hat das Österreichische Ökologie-Institut ein zwei-tägiges Programm kuratiert. Insgesamt folgten 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Forschung, Ökologie und Planung der Einladung der beiden Organisationen.
In Amsterdam standen neben der Betrachtung der historischen Stadtentwicklung und aktueller Stadterweiterungsprojekte die sozialen und faunistischen Aspekte im Vordergrund. Els Corporal führte durch den urbanen Nachbarschaftsgarten Park Afrikanerplein, hin zu den sozial-ökologischen Experimenten (Living Lab) im Marineterrein und zum neuen Stadtteil Ijburg, aufgebaut auf sechs künstlichen Inseln. Während in den älteren Stadtteilen eine ausgeprägte blau-grüne Infrastruktur mit Grachten, altem Baumbestand und grünen Parks vielen Menschen und Tieren einen angenehmen Aufenthalt bietet, gilt es, diese Qualitäten zu bewahren (Nisthilfen, Straßenvegetation), punktuell zu verbessern (Faunapassagen) und Verständnis aufzubauen. Dazu gehören die Nachbarschaftsgärten genauso wie die ökologische Intervention auf den Liegewiesen im Marineterrain. Bioblitze und Ideenaustausch nehmen die Besucher:innen in die Tier- und Naturwelt der Stadt mit. Anders und noch sehr jung zeigte sich der neue Stadtteil Ijburg. Auf den künstlichen Inseln sind großzügige Bereiche für die Natur vorgesehen und erfolgreiche Fördermaßnahmen für Muscheln, Vögel und Pflanzen umgesetzt worden. Innerhalb dieses Stadtgebietes wirken die wenigen grünen Infrastrukturen noch recht unbelebt. Straßenräume und Plätze laden (noch) nicht zum Verweilen ein. Ein Highlight war das genossenschaftliche Wohnprojekt „De Warren“, das junge Menschen mit neuen Ideen zu nachbarschaftlichem Zusammenleben und vielleicht auch einem neuen Blick auf das ausbaufähige öffentliche Grün auf die Insel bringt.
Am zweiten Tag begleitete uns Architekt Harrie van Helmond zu besonderen Highlights in Eindhoven. Gleich der Ausgangspunkt, das neue Innovations- und Kreativviertel auf dem ehemaligen NRE-Gelände inspirierte mit der Leichtigkeit von vertikalen Begrünungen. Das imposante Quartier Medina (Architekt Neave Brown) und dessen Straßen- und Terrassenbegrünung stellte uns Designer Coen van Ham vor, der das Projekt schon seit 25 Jahren begleitet. Nächste Station war der Urban Distrikt Strip-S, unter anderen mit dem Trudo Tower – dem Bosco Verticale im sozialen Wohnbau (Architekt Staffano Beori), Match Box und Space S. Interessante Einblicke in den Entstehungsprozess und die ökologische Begrünungsarbeit gab uns Mark Vloet (DuPré Groenprojekten).
Der Nachmittag zeigte mit Cabins in the Woods, erklärt von MulderendeVries Architects und Autarkic House, vorgestellt von Besitzer und Erbauer Tom van Duuren , ökologische Wohnquartiere mit geringer Dichte und Fokus auf die natürliche und wassersensible Freiflächengestaltung. Wie eine naturintegrierte, energieeffiziente und sozialverträgliche Innentwicklung im Bestand gelingen kann, erklärte uns zum Abschluss Jachym Erning (FAAM-Architects) anhand des Biobased Social Housing Projekts in der Eindhovener Rustenburgstraat.
Die Dichte an herausragenden Projekten in Eindhoven ist frappierend und zeigt, wie Stadtentwicklung, Planung und persönliches Engagement von Projektverantwortlichen im Zusammenspiel sympathische Lebensräume schaffen können.
Danke an Helga Fassbinder, Harrie van Helmond und die Stiftung Biotope City sowie Els Corporal und die Stadt Amsterdam für die Unterstützung und sehr angenehme Partnerschaft!