Christian Pladerer

Einführung der 0,33 Liter Bier-Mehrwegflasche im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel
Entwicklung und Einführung einer standardisierten 0,33-Liter-Bier-Mehrwegflasche für den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel: abgestimmt zwischen allen relevanten Stakeholdern.
In Österreich werden über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) rund 60 Millionen Liter Bier in Einwegglasflaschen à 0,33 Liter abgesetzt. Das entspricht etwa 180 Millionen Flaschen, die rund 40.000 Tonnen Glasabfälle und etwa 3.000 Tonnen Kartonagenabfälle pro Jahr verursachen. Auch die Bierträger für 0,33-Liter-Bierflaschen im LEH sind aus Einwegmaterialien.
Entwicklung einer einheitlichen Mehrwegflasche – abgestimmt zwischen Akteur:innen aus Handel und Produktion
Die im Rahmen des Projektes ins Leben gerufene Arbeitsgruppe des Logistikverbunds Mehrweg (L-MW) aus Vertreter:innen aus dem Lebensmitteleinzelhandel, Brauereien, Forschung, Verpackungsherstellung und Poolingsystemen hatte die Aufgabe, eine standardisierte, praktikable und ressourcenschonende 0,33-Liter-Bierglasflasche zu konzipieren und umzusetzen. Die Anforderungen an die Mehrwegflasche wie Abmessungen, Gewicht, Produktpräsentation und Marketingfähigkeit wurden gemeinsam festgelegt und die Basis für die Einführung einer standardisierten 0,33-Liter-Mehrweg-Bierflasche geschaffen.
Die Wahl fiel auf die Vichy-Flasche.
Nach umfassender Marktforschung und basierend auf einer technischen Neuentwicklung von Vetropack gab Christian Koger, Manager Customer Service Brau Union, in der AG bekannt: „Es gibt von Konsumentenseite eine klare Präferenz für eine kleine NRW-Flasche.“ Ein haptischer Markttest 8/2022 hat dieses Ergebnis weiter bestätigt. Die 0,33-l-NRW-Flasche mit etwas längerem Hals wird am POS als einzigartig wahrgenommen und als Pfandflasche besser erkannt. Bei der Flaschenfarbe wird braun als „gelernt Mehrweg“ bevorzugt.
Die von Vetropack entwickelte Flasche aus thermisch gehärtetem Glas wurde auf der drinkteck Messe 2022 erstmals präsentiert. Diese neue „Vichy-Flasche“ in ähnlicher Form wie die NRW ist leichter, stabiler und ökologisch nachhaltiger. Die Flasche punktet nicht nur mit geringerem Gewicht, sondern auch mit geringerer Abnutzung und damit mit mehr Umläufen und einem längeren Lebenszyklus. Sie ist um rund 30 % leichter als herkömmliche Mehrwegflaschen und zusätzlich durch die Flaschenform resistenter gegen Abrieb. Das neue, über zehn Jahre lang entwickelte Verfahren stellt durch starkes Aufheizen und anschließend besonders rasches Abkühlen der fertig produzierten Flaschen spezielle Anforderungen an die Herstellung. Produziert werden die Gebinde im österreichischen Pöchlarn.
Die Vichy-Flasche hat im Vergleich zu einer Longneck-Flasche eine geringere Höhe. Bei Verwendung einer passenden Flaschenkiste kann dadurch eine Lage zusätzlich auf die Palette geschlichtet werden: ein Vorteil in der Logistik und damit in der CO2-Bilanz des Transports.
Die ökologische Nachhaltigkeit wird gerade bei der Wahl der Verpackungsarten in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. In den Warengruppen Milch und alkoholfreie Getränke sind in jüngster Zeit bedeutende Aktivitäten bei Markenartikeln und auch bei Handelsmarken in Richtung Mehrweggebinde zu beobachten. Jetzt zieht die Bierbranche zügig nach. Den Mitgliedern der Arbeitsgruppe des Logistikverbund-Mehrweg ist somit ein weiterer großer Schritt gelungen: Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele und zur Ressourcenschonung gemeinsam zu realisieren.
Nun liegt es an den einzelnen Unternehmen, eine Mehrweglösung im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit umzusetzen.
Partner war die GS1 Austria GmbH (Mehrweglogistik Verbund)
Mitarbeiter:innen am ÖÖI waren außerdem Philipp Hietler und Victoria Menedetter.
Projektdauer
2018 – 2022
Leitung
Christian Pladerer
Umsetzung
Gefördert von
Abfallvermeidungsförderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen (abgewickelt durch die VKS GmbH)
Links
Beitrag auf der Seite der Abfallvermeidungs-Förderungsstelle